| Heide 06.03.2008 |
 |
Klimawandel und Klimaschutz – Politik, Wirtschaft und Verbraucher in der Zwickmühle ? |
 |
Podiumsteilnehmer: |
 |
Dietrich Austermann, Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein Professor Dr. Anders Levermann (PDF, 6,6MB), Potsdam Institut für Klimafolgenforschung Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt der Shell Deutschland Oil GmbH |
Moderation: |
 |
Thomas Frankenfeld, Chefkorrespondent des Hamburger Abendblatt |
|
|
Hoffen auf die nächste industrielle Revolution |
 |
 Von Sebastian Meissner Um die Folgen des Klimawandels abzufedern, ist umgehend ein nachhaltiges Umdenken gefragt. Die Experten beim Shell Energie-Dialog fordern eine größere Technologieoffenheit und einen breiten Maßnahmenmix. „Wer auf dem Kilimandscharo noch Schnee erleben will, muss sich beeilen. Denn schon 2015 werden seine Gipfel abgeschmolzen sein.“ Als Professor Dr. Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung über die konkreten Folgen der Erderwärmung referiert, geht ein Raunen durchs Publikum. Noch unruhiger wird es im Saal, als Levermann in einer Grafik zeigt, dass schon bei einem Anstieg des Meeresspiegels um nur einen Meter die norddeutsche Küste – bis zur Stadtgrenze Hamburgs – unter Wasser stünde. |
 Die Botschaft ist angekommen: Der Klimawandel wird für uns zur Lebensbedrohung – wenn wir nicht umgehend gegensteuern. Wie das zu schaffen ist, darüber diskutierten beim Shell Energie-Dialog zum Thema “Klimawandel und Klimaschutz – Politik, Wirtschaft und Verbraucher in der Zwickmühle?“ vor rund 200 Gästen in der Raffinerie in Heide neben Levermann auch Dietrich Austermann, Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt der Shell Deutschland Oil GmbH (SDO). Eröffnet wurde der Abend durch Thomas Geber, Direktor der Raffinerie Heide. Die abschließende Podiumsdiskussion moderierte Thomas Frankenfeld, Chefkorrespondent des Hamburger Abendblatt. |
 „Wir müssen umgehend einen nachhaltigen Umschwung einleiten, um die Folgen für Mensch und Umwelt abzufedern“, sagt Klimafolgenforscher Levermann. Um die angespannte Klimasituation zu beschreiben, benutzt er das Bild eines voll laufenden Waschbeckens ohne Abfluss: „Selbst wenn wir, wie von der Bundesregierung geplant, bis 2050 die CO2-Emission um 50 Prozent senken, den Wasserhahn also halb zu drehen, wird das Becken irgendwann voll sein und überlaufen.“ Langfristig müsse das Ziel daher sein, den CO2-Ausstoß komplett einzustellen. Einen radikalen Verzichtkurs für Wirtschaft und Verbraucher fordert er aber nicht, sondern eine Art „neue industrielle Revolution“ – eine Kombination aus neuen technologischen Verfahren zur Energiegewinnung und Emissionsreduktion. Konsens besteht unter den Teilnehmern, dass die Last gerecht auf allen Schultern verteilt werden müsse. Klimaschutz sei eine globale Verantwortung, zu der alle Länder ihren Beitrag leisten müssen. Weil aber in Ländern wie China und Indien derzeit die Wirtschaft boomt, wird dort der Energieverbrauch zunächst stark steigen statt zurückgehen. Deutschland unternimmt starke Anstrengungen, den CO2-Ausstoß zu verringern – die Herausforderung ist aber, im Spagat zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit nicht den Stand zu verlieren. |
Breite Palette |
 |
 „Der Klimaschutz darf nicht die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit unseres Landes beeinträchtigen. Deutschland als größtes Industrieland Europas braucht einen Klimaschutz, der ökologisch und ökonomisch effektiv ist“, sagt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann. Dazu gehöre in erster Linie der weitere Ausbau des Anteils der Erneuerbaren Energien, ein schärferer Wettbewerb unter den Erzeugern, bessere und sicherere Kraftwerke sowie die Technologie der Abspaltung und unterirdischen Einlagerung von CO2 (Carbon Capture and Storage, CCS). Er ist sicher: „Auch in Deutschland kommen wir ohne einen Energie-Mix aus fossilen und regenerativen Energiequellen nicht aus“. Für seine Forderung, bei der Gesetzgebung nicht in Panik zu verfallen, sondern realistische Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine langfristige Planungsstabilität für Wirtschaft und Verbraucher geben, erntete er unter den Anwesenden breite Zustimmung. |
 Kann es gelingen, den Klimawandel einzudämmen? Nach Meinung des Shell Deutschland-Chefvolkswirts Dr. Jörg Adolf hängt das im Wesentlichen davon ab, dass es in absehbarer Zeit einen einheitlich globalen CO2-Preis gibt. „Zudem brauchen wir eine generelle Technologieoffenheit, denn mit großer Wahrscheinlichkeit ist nicht eine, sondern eine breite Palette an Maßnahmen notwendig, um den Klimatrend zu stoppen“, so Adolf. Viel zu tun also – auch für Verbraucher. Die Handlungsempfehlungen der Experten: „Wer sein Haus optimal dämmt, Sonnenkollektoren aufs Dach installiert und den alten Heizkessel ersetzt, verbraucht künftig nur noch einen Bruchteil seines jetzigen Energiebedarfs“, sagt Austermann. Erfreulich: Die notwendigen Investitionen werden vom Staat in Form KfW-Darlehen unterstützt. „Wer zudem beim nächsten Autokauf nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Schadstoffausstoß achtet, leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Austermann. Die Schneegipfel auf dem Kilimandscharo werden so zwar nicht zu retten sein, das Küstenland in Norddeutschland aber schon. |
Hintergrund |
 |
Mit dem Energie-Dialog in Heide setzt Shell eine bundesweite Reihe fort, die im letzten Jahr mit elf Veranstaltungen in acht Bundesländern erfolgreich startete. Auch 2008 stehen wieder viele kontroverse Themen auf dem Programm. |
|
|
Hilfe beim Herunterladen von PDF-Dateien » |
|
|
|
Bitte beachten Sie, dass die anliegenden Inhalte urheberrechtlich geschützt sind und ohne ausdrückliche Genehmigung der Rechtsinhaber (Verfasser) nicht verbreitet, vervielfältigt oder kopiert werden dürfen. Für alle Publikationen gilt das gesprochene Wort. |
|
|
|
|
|
|