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Shell Energie-Dialog in Berlin

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Berlin 24.01.2008

Nachhaltige Mobilität – Sind Biokraftstoffe der Schlüssel zum Klimaschutz?

 

Referenten:

Moderation:

Dr. Wolfram Weimer - Chefredakteur Cicero


 

Dr. Wolfram Weimer - Herausgeber und Chefredakteur CICERO

Experten einig: Herkömmliche Biokraftstoffe sind weniger klimafreundlich als angenommen.

 

Von Sebastian Meissner

 

Es war ein seltenes Bild im dbb-Forum in Berlin: Nach Ende des „Shell Energie-Dialogs“ standen Kurt Döhmel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Shell, und Greenpeace-Kampagnenleiter Martin Kaiser ins Gespräch vertieft beisammen und nickten sich zustimmend zu. Einigkeit unter traditionellen Gegnern – die Politik macht´ s möglich. Denn die von der EU beschlossene Biokraftstoff-Quote stößt bei Industrie wie Umweltschützern gleichermaßen auf Unbehagen.

Shell Energie-Dialog in Berlin - Fragen and das Podium

40 Prozent weniger CO2-Emissionen, 20 Prozent Beimischungsquote von Biokraftstoff zum konventionellen Sprit und das bis 2020 – mit dem Programm will Deutschland den steigenden Kraftstoffbedarf decken, eine größere Unabhängigkeit vom Öl schaffen und die Emissionen senken. Heute macht der motorisierte Individualverkehr rund 10 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes aus – Tendenz steigend. Ökonomisch und ökologisch aber sei die erste Generation von Bio-Treibstoff unbefriedigend – darin waren sich neben Döhmel und Kaiser auch die anderen Diskussionsteilnehmer, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sowie Josef Göppel MdB, Umwelt-Obmann der CDU/CSU-Fraktion, einig. Und so verlief das von Cicero-Chefredakteur Dr. Wolfgang Weimer moderierte Gespräch vor mehr als 160 Gästen aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Medien weitgehend harmonisch. Dass es trotzdem spannend blieb, lag an der Brisanz des Themas und den hochkarätigen Teilnehmern.

Treibstoff statt Nahrungsmittel

Kurt Döhmel (Shell) im Gespräch mit Martin Kaiser (Greenpeace)

„Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht“, sagte HWWI-Chef Straubhaar. Seine Präsentation der Studie „Biokraftstoff und Nachhaltigkeit – Ziele, Probleme, Instrumente, Lösungen“ machte vor allem eines deutlich: Beim Klima- und Umweltschutz wirft der grüne Kraftstoff der ersten Generation bislang mehr Fragen auf als das er Nutzen bringt. Düngen, roden, transportieren: An allen Stationen der komplexen Wertschöpfungskette gibt es Probleme zu bewältigen. Um die riesigen Flächen für den Anbau von Biosprit-Pflanzen bereitstellen zu können, roden Länder wie Indonesien oder Kolumbien ihre Regenwälder. Das Düngen der Pflanzen setzt klimaschädliche Gase frei. Die Bewässerung ist ebenso wie die anschließende Umwandlung in Brennstoff sehr energieintensiv. Unterm Strich bleiben Zweifel, ob der teure Biosprit überhaupt Treibhausgase einspart. Hinzu kommen lange Lieferwege und die sozial-ethische Frage, ob man Lebensmittel zum Autofahren benutzen dürfe.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar - Direktor, HWWI

Greenpeace fordert daher die völlige Abkehr von der Quote: „Global Player bauen massive Strukturen auf, die Druck auf Naturressourcen ausüben“, sagt Kampagnenleiter Kaiser. Dabei sei bis heute nicht einmal sicher, ob überhaupt nachhaltig importiert werden könne. Seine Sorge gilt vor allem der zunehmenden Rodung von Waldstücken. „Rund ein Fünftel der weltweiten CO2-Emission entsteht durch die permanente Entwaldung. Da sind Biosprit-Quoten ein falsches Signal“, sagt Kaiser. Von der Politik forderte er stattdessen ein Tempolimit, von der Industrie effizientere Motoren zur CO2-Einsparung.

Hoffnungsträger 2. Generation

Die Biokraftstoffquoten sind nun aber Realität und lassen sich auch schwer ändern. „Die Bevölkerung schreit nach Alternativen zum teuren Sprit. Unsere Aufgabe ist es, Mobilität weiterhin bezahlbar zu machen – und das für jedermann“, erklärt Unions-Obmann Göppel die Motive der Politik, an den Zielvorgaben festzuhalten. Und so richten sich die Hoffnungen aller Beteiligten auf die Biokraftstoffe der zweiten Generation. „Dabei kann die gesamte Pflanze verwendet werden inklusive Stiel, Blätter und sogar Abfällen“, sagt Shell Deutschland-Chef Döhmel.

Josef Göppel MdB - Obmann der CDU/CSU-Fraktion

Weiterer Vorteil: Im Vergleich zum Kraftstoff aus Öl liegt das CO2-Einsparpotenzial hier bei rund 90 Prozent. Shell investiert seit Jahren erfolgreich in verschiedene Innovationsprojekte für Biokraftstoffe der zweiten Generation. Der Haken bei der Sache, so Döhmel: „Der moderne Biosprit wird frühestens in 15 Jahren in marktrelevanten Mengen zur Verfügung stehen.“ Bis dahin muss die Industrie weiterhin auf Kraftstoffe der ersten Generation zurückgreifen – mit den bekannten Problemen. Jetzt, so der Tenor der Experten, müsse wenigstens das Beste draus gemacht werden. „Biokraftstoffe müssen möglichst nachhaltig produziert und entsprechend zertifiziert werden“, sagt Döhmel. Zusammen mit unseren Lieferanten arbeiten wir an einer eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinie und engagieren uns bei verschiedenen Initiativen wie etwa dem Roundtable for Sustainable Palmoil, um hier voran zu kommen, so Döhmel weiter. Zur Kontrolle einer Zertifizierung sei dann aber ein Monitoring erforderlich. So lassen sich zumindest einige negative Implikationen der Quote vermeiden. Von einer weiteren Erhöhung der Quote, wie sie bei der Bundesregierung im Gespräch ist, raten die Experten einmütig ab.

Hintergrund

Mit dem Energie-Dialog im dbb Forum setzte Shell eine bundesweite Reihe zu verschiedenen aktuellen Energiethemen fort, die im letzten Jahr mit elf Veranstaltungen in acht Bundesländern erfolgreich startete. Auch 2008 stehen wieder viele kontroverse Themen auf dem Programm. Nächster Termin ist am 21. Februar in Hamburg. Thema dann: „Globale Klima- und Energiepolitik – Eiszeit für Wirtschaft und Verbraucher?“


 

Zur Pressemitteillung "Shell und HWWI fordern Zertifizierung von Biokraftstoffen" »

Zum Download der HWWI-Studie "Biokraftstoffe und Nachhaltigkeit –Ziele, Probleme, Instrumente, Lösungen" »

 


 

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